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      Ruhm, Tod und Verklärung:
Die Susquehannock Indianer im 17. Jahrhundert

von Francis Jennings,
Geschichtsprofessor, Moore Kunstakademie
       
     

Englisch-Holländische Konflikt

 

   

 

Chief Piercing Eyes
Nachbar-Völker
Die Unterwerfung der Lenape
Landkarte 1
Landkarte 2
Landkarte 3
Die Englische Eroberung
 
Landkarte 4
   
   
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  Die beginnende Partnerschaft wurde abgebrochen. So wie die frühere Rivalität zwischen Neu Schweden und Neu Holland die Indianer in einen Konflikt hineingezogen hatte, so rief ein Europäischer Kampf neue Indianerkämpfe hervor. England und Holland wiederbelebten ihren früheren Konflikt zu Bedingungen, die für die Holländer wesentlich besser waren als vorher. Neu Schweden hatte den Konkurrenzkampf auf die Delaware Bay beschränkt, aber nun begannen die Engländer auf jeden Teil von Neu Holland Druck auszuüben. Der Englisch-Holländische Kampf brachte die Suquehannocks in ein Dilemma, das nur durch eine Katastrophe gelöst werden konnte.

Generell gesprochen und so auch belegt waren die Holländer in der Defensive; sie erkannten, dass sie zahlenmäßig unterlegen waren und vermieden daher offene Aktionen, die die Engländer ausreichend hätten provozieren können. 38    Einige ihrer Manöver mit den Indianern, die unter ihrem Einfluss standen, erweckten jedoch bei den Engländern den Verdacht, unterschwellig feindlich zu sein und wahrscheinlich war der Verdacht gerechtfertigt. 39    Die bevölker-ungsreicheren Engländer waren weiter verstreut und teilten sich in eine große Anzahl unterschiedlicher Interessen und Parteien auf. Ebenso wie in ihrem aggressiven Expansionismus, unterschieden sich die Engländer in Hinblick auf ihre jeweiligen Ziele. Neu England begehrte Holländisch Long Island und das obere Hudson Tal. Virginia und Maryland stritten miteinander darum Chesapeake Bay anzugreifen, während die Calverts von Maryland die gesamte Holländische Delaware Bay beanspruchten. In Altengland wurde der proviniziale Ehrgeiz in den Plänen, in denen Neu Holland als ganzes übernommen werden sollte, nicht berücksichtigt. In all diesen Intrigen und Kämpfen verfolgten die Indianer so weit als möglich ihre eigenen Ziele.

Im August 1659 kam es zu einer neuen Krise mit Englischen Unternehmungen gleichzeitig im Norden und im Süden. Im Norden erschien eine Connecticut Delegation vor Fort Orange und kündigte an, eine Siedlung nahe des Hudson errichten zu wollen. 40    Im Süden schickte Cecilius Calvert, zweiter Lord Baltimore, eine Delegation nach Neu Amstel, die formal die Übergabe der Delaware Bay forderte und führte als Begründung die Bedingungen seiner Verleihungsurkunde an. Die Holländer reagierten vorsichtig, ohne jedoch irgendwelche Konzessionen zu machen. In Neu Amstel bestätigten sie ein indianisches Kaufrecht und weiters ein Recht auf Langzeitbesitz und –besiedelung; und Gouverneur Stuyvesant verstärkte die Garnison. Nach weiteren Gesprächen 1660 wurden Marylands Ansprüche nach Amsterdam geschickt. Zum Pech für die Holländer teilten nicht alle ihrer Kolonialisten die Entschlossenheit der offiziellen Vertreter. Wie vom Vizedirektor der Kolonie berichtet führe der von Maryland ausgeübte Druck zu „großer Unsicherheit und Problemen unter den Menschen“ und fügte hinzu „jeder versucht zu verschwinden und zu flüchten“. 41    Ein bestimmter Flüchtling verdient unsere Aufmerksamkeit. Ein Indianerhändler mit Namen Jacob Claeson der wie andere Verkäufer anderswo auch sich den Spitznamen „Jacob, Mein Freund“ zugelegt hatte, verschwand mysteriöserweise von Neu Amstel „mit einer ziemlich großen Geldsumme, die ihm von verschieden Parteien zwecks Handels überlassen worden war,“ und die Holländer unternahmen ungewöhnliche Anstrengungen ihn zurück zu bekomme. Das Geld war nicht ihre Hauptsorge. Jacob beherrschte die Sprache der Susquehannocks, was selten unter den Europäern war, und er hatte einen beträchtlichen persönlichen Einfluss auf diese Indianer. Wie die Holländer befürchteten machte er sich in Maryland bald nützlich. 42

Jacob wurde besonders wertvoll für Maryland, da die Susquehannocks plötzlich in den Mittelpunkt der Außenpolitik von Maryland standen. Die Verhandler der Provinz hatten wahrscheinlich die Auswirkungen des 1652 abgeschlossen Friedensvertrages zwischen Maryland und den Susquehannocks nicht vollständig verstanden. 1660 begannen sie es dann zu begreifen, zumindest vage. In diesem Jahr töteten die Oneida Irokesen fünf der Piscatawa Indianer aus Maryland, weil sie „Freunde“ von Maryland und den Susquehannocks waren. 43    Die Bewohner von Maryland machten zu dem Zeitpunkt keinen Unterschied zwischen den Irokesen Nationen und verstanden daher weder, dass dies das Jahr der maximalen Kooperation zwischen den Irokesen Mohawks und den Susquehannocks war, noch hätte es sie besonders interessiert, auch wenn sie es verstanden hätten. Was die Bewohner von Maryland anbelangte waren alle „nördlichen“ Indianer Senecas oder „Cynegoes“ oder eine andere Variante in der Schreibweise des 17. Jahrhunderts, und es wurden keine feinen Unterscheidungen zwischen Mohawks, Oneidas etc. gemacht. So wie es die Maylander 1660 verstanden waren die von ihnen beschützten Indianer von irgendwelchen Irokesen „Cynegoes“ attackiert worden und sie würden sich ganz bestimmt nicht einen solchen Affront gefallen lassen. Maryland erklärte postwendend diesen Cynegoes den Krieg. 44    Die Tatsache, dass die Marylanders keine klare Vorstellung von der Identität der Angreifer hatten, spielte keine Rolle. Die Marylander hatten nun den Eindruck, sich einerseits in direktem Krieg mit den indianischen Alliierten der Holländer von Fort Orange zu befinden und andererseits einen ebenso entschlossenen Kampf mit den Holländern in New Amstel zu führen. Man kann sich den Verdacht der Marylander vorstellen: Hatten die Holländer die Überfälle der Irokesen auf die Maryland Indianer angestiftet?

Vorsicht erforderte sofortige Gegenmaßnahmen. Im April 1661 entschied die Maryland Versammlung, dass „die Susquehannocks ein Bollwerk darstellen und die nördlichen Teile der Provinz absichern“, und innerhalb eines Monats wurde das bestehende Friedensabkommen auf eine volle Allianz ausgeweitet. Jacob erhielt die Lizenz mit den Susquehannocks Handel zu treiben und war der offizielle Zwischenhändler der Provinz, und die Indianer erhielten substantielle Hilfe. Neben Waren und Waffen wurde ihnen eine Truppe von fünfzig Engländern zugeteilt, die sie dabei unterstützen, ihr Fort zu besetzen. 45    Die Alliierten hatten natürlich unterschiedliche Motive. Die Susquehannocks wollten offensichtlich Hilfe bei ihrer Fehde mit (nicht Mohawk) Irokesen. Marylands Ziel war es die Holländer und deren Alliierten zu bekämpfen, und zwar defensiv am exponierten Susquehanna Fluss Zugang zur Provinz, offensiv an der Delaware Bay. Beide Ziele von Maryland wurden von den Susquehannocks verhüllt, die dazu ausersehen waren an beiden Fronten manipuliert zu werden.

Richtung Norden wurde der Beauftragte von Maryland angewiesen „sich über den Fortschritt des Krieges zwischen den Susquehannocks und den Irokesen Nationen zu informieren“ „und sollten sie nachlässig in ihrer Kriegsführung sein, sie diskret zu einer energischeren Vorgangsweise zu zwingen“. 46    Nach Osten hin diente ein Lenape Mörder von vier Marylandern als Provokation; die Provinz verlangte die Unterstützung der Susquehannocks, um „Satisfaktion“ von den Lenape zu erhalten. Der Hintergrund dieser Aktion wurde sofort in New Amstel verstanden. Der Holländische Sekretär Beeckman beklagte sich, dass wenn die Engländer mit diesen Wilden in den Krieg ziehen, das gesamte Territorium, aus dem diese vertrieben werden, unter dem Vorwand, dass es von ihren Feinden durch das Schwert erobert wurde, übernommen werden wird. Die Engländer werden höchstwahrscheinlich ohne Vorwarnung in unseren Zuständigkeitsbereich eindringen, um ihre Feinde zu verfolgen; im Falle einer Verweigerung würden sie uns verdächtigen und mit uns auf die gleiche Art und Weise verfahren.

Beeckman hatte gute Gründe für seine Befürchtungen. Kurz nach diesem Schreiben trat das Maryland Council zusammen um einen Brief vom Eigentümer Lord Baltimore zu prüfen, in dem er sie anwies direkte Kampfhandlungen gegen “bestimmte Feinde, Piraten und Räuber“, womit er die Holländer meinte, zu unternehmen. 

Aber wenn die Holländer wegen der Englischen Aggression besorgt waren, so waren die Engländer nicht ganz unbesorgt, was die Holländischen Ressourcen anbelangte. Während Lord Baltimore im Ausland weilte, zeigte seine Regierung einiges an Diskretion. Es war einfach für Baltimore von England aus so lauthals zu schimpfen. Am Chesapeake jedoch musste man etwas vorsichtiger vorgehen, „damit General Styvesant in den Manhattans nicht aus diesen Indianer (den Irokesen) Nutzen zieht . . . wobei angezweifelt werden kann, ob ein Krieg zwischen Holland und England stattfindet oder nicht“. Dieses Zögern gab den Holländern die Möglichkeit Zeit zu gewinnen. Im September 1660 rief Direktor d’Hinojossa die Passyunk Lenape auf, sich mit dem Maryland Gouverneur Philip Calvert zu treffen. Der Lenape Häuptling Pinna antwortete und erklärte dass die Engländer die Probleme verursacht hätten, in dem sie einen Indianer „am Ostertage“ getötet hätten. Calvert war überraschenderweise bereit die Verlagerung der Schuld durch die Indianer zu akzeptieren. Die „Satisfaktion“ wurde erlassen und der „Gouverneur Calvert . . . schloss Frieden mit dem vorher genanntem Häuptling und war freundlich zu d’Hinojossa.“ 48

Nach all dieser Aufregung hätte man die Pockenepidemie, die über die Suquehannocks 1661 und die Irokesen im folgenden Jahr hereinbrach, als enttäuschend ansehen können. Als ob die Plage nicht schon genug Leid gebracht hätte, kamen neue Kriege auf die Indianer zu. Mit der Wiedereinsetzung von Charles II. auf den Englischen Thron 1660 sowie die Wiederaufnahme der persönlichen Regierung von Louis XIV. 1661 in Frankreich brachen in Europa kommerzielle und dynastische Auseinandersetzungen von neuem aus. So weit diese Monarchen von dem Amerikanischen Hinterland entfernt waren, so begannen ihre Entscheidungen gefiltert, zerlegt und verzerrt durch lokale Bedingungen auf die Indianische Politik Einfluss zu nehmen. Die erste Auswirkung war die Verschärfung der Konkurrenz zwischen England und der Holländischen Republik. Als Verteidigung verbündeten sich die Holländer 1662 mit Frankreich. 1663 unternahmen die Indianer, die zwischen Holländisch Fort Orange und Französisch Montreal lebten, groß angelegte Angriffe auf andere Indianer, die mit den Engländer von Maryland und Neu England verbündet waren. Die angreifenden Irokesen hatten ihre Waffen nur von den Franzosen und den Holländern bekommen können; da beide Europäischen Völker exzellente Informationsquellen unter den Irokesen hatten, scheint es gerecht daraus den Schluss zu ziehen, dass die Bürokraten ahnten, auf wen ihr Pulver und ihre Kugeln geschossen wurden. Man muss sich auf Muster und Schlussfolgerung verlassen, da die unmittelbaren Beweise nur ein unklares Bild der Aktivitäten offenbaren - aufgrund der Schwierigkeit der Interpretation dieses chaotischen Haufens von bloßen Daten wurden diese von Historikern vernachlässigt.

Ein großer Dank geht an Cornela Erfurt für die Übersetzung

       

Niederlagen der Irokesen

   
  Informationen aus den Originaltexten von:
 

 

38

Hunt and Trelease absolve the Dutch of aggressive intentions. Hunt says, "True expansion at Albany did not begin under the Dutch at all, but under the energetic Dongan, in 1684" (p. 172). Trelease remarks that the Dutch "had no ambition to dominate North America" and therefore refrained from wasting resources "in an international contest for continental supremacy" (Indian Affairs, p. 137). These statements leave an unfortunate impression of a sort of peaceful storeminding that was not possible in the conditions of commercial competition at the time. Undoubtedly the Dutch were not territorially expansionist in the region under study, but they did have ambitions to dominate the trade of North America, and they did not hesitate to use all practicable force for that end.

   
39

Commission and instructions of William Leete, 29 June, 1653, Records of the Colony ... of New Haven, ed., Charles J. Hoadly (2 v., Hartford, 18571858) 2: p. 11; "The Second Part of the Amboyna Tragedy," O'Callaghan, New Netherland 2: pp. 571-572.

   
40

Minutes, 4 Aug., 1659, Van Laer, Fort Orange 2:

   
41

Md. Arch. (Council) 3: pp. 365-378, 426-431; N. V. Col. Docs. 12: pp. 248 if., esp. p. 255; Alrichs to Dc Graaff, ibid. 2: p. 70.

   
42

Beckman to Stuyvesant, 28 April, 1660, Annals of Pennsylvania, 16091682, ed., Samuel Hazard (Philadelphia, 1850), pp. 309310; Stuyvesant to the Holland Directors, 25 June, 1660, N. Y. Col. Docs. 12: p. 317; Minutes, 17 April, 30 July, 12 Oct., 1661, Md. Arch. (Council) 3: pp. 443, 430-431, 434-435, 453, 462.

   
43

Memorandum, 20 Dec., 1660, Md. Arch. (Council) 3: p. 403.

   
44 Act of War, 17 April, 1661, Md. Arch (Upper House) 1: pp. 406-407.
   
45 Loc. cit.; minutes, 18 May, 1661, Md. Arch (Council) 3: pp. 420-421; May, 1662, ibid., p. 453.
   
46

Instructions of Governor and Council, 16 May, 1661, Md. Arch. (Council) 3: p. 418.

   
47

Treaty minutes, 16 May, 1661, Md. Arch. (Council) 3: p. 421; Beecknian to Stuyvesant, 27 May, 1661, N. Y. Col. Docs. 12: pp. 343-344; minutes, 30 July, 1661, Md. Arch. (Council) 3: pp. 427-429.

   
48

Minutes, 19 Sept., 1661, Md. Arch. (Council) 3: p. 433; Beeckman to Stuyvesant, 26 Oct., 1661, N. Y. Cot. Docs. 12: pp. 356-357.

   

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